Notizen aus hohen Breiten: Diskobucht-Reise mit der CAPE RACE
Zum zweiten Mal in dieser Grönland-Saison hatten wir den harten Kontrast zwischen einerseits einer Anreise-Odyssee mit mehrfach geänderten Flügen, deshalb Zwischenübernachtung in Keflavik (Island) statt wie geplant in Ilulissat (Grönland), und für einen Teil der Gruppe sogar einem unfreiwilligen nächtlichen Rundflug über Grönland: Landung in Ilulissat war nicht möglich, daher Rückflug nach Keflavik und weiterer Anlauf nach einigen Stunden Schlaf.
Letztlich konnte ich die ganze Gruppe dann doch mit nur vierstündiger Verspätung am Flughafen in Ilulissat in Empfang nehmen, wo auch andere Grönlandreisende mit den Widrigkeiten gestrichener Flüge oder Überbuchungen haderten. Allerdings fehlte von zwei Gästen das Gepäck, doch wir konnten auf dem Schiff mit dem Nötigsten aushelfen, setzten den Fokus des ersten Tages auf die gewaltigen Eisberge vor Ilulissat, was sowieso Teil des Reiseprogramms gewesen wäre, und konnten tatsächlich die fehlenden Koffer am nächsten Vormittag in Ilulissat abholen. Grönlandflüge sind notorisch anfällig für Unerwartetes, sei es wegen des Wetters oder wegen fehlenden ausreichend qualifizierten Personals in den Flughäfen — hierauf sollte man eingestellt und auch vorbereitet sein, insbesondere gehören Medikamente ins Handgepäck, und die Wanderkleidung einschließlich Stiefeln sollte auch gern als Reisekleidung getragen werden, um zumindest einen Quell von Aufregung zu reduzieren. Dies trifft nicht nur Grönlandreisen mit der CAPE RACE, sondern genauso auch mit anderen Veranstaltern. Leguan Reisen hat allerdings erneut einen super Job gemacht, die Probleme möglichst schnell zu lösen.
Unsere eigentliche Schiffstour war dann das glatte Gegenteil des holprigen Einstiegs: wenig Wind, ruhige See, fast durchgehend Sonne — das waren schon mal gute Ausgangsbedingungen. Und weniger Treibeis und Eisberge (keine Sorge: in der Diskobucht gibt es trotzdem mehr als genug davon) als in den vergangenen Jahren erlaubten uns Routen, an die in den letzten beiden Jahren nicht zu denken war, obwohl die CAPE RACE einiges an Eis verträgt und wir uns auch durchaus ins Eis trauen: im Gegensatz zu einigen großen Expeditionsschiffen, die zwar in der Werbung mit ihrer Eisklasse angeben, in der Realität aber zur Schonung ihres Lacks das Eis meiden. So gelang uns erstmalig der Vorstoß weit hinein in den Aliaanatsoq-Fjord ganz im Nordosten der Diskobucht, aus dem vermutlich viel mehr und größere Eisberge stammen als von der Front des Eqip-Sermia-Gletschers, die eigentlich nur deshalb so bekannt ist, weil sie von Ilulissat mit schnellen Tagestourenbooten leichter erreichbar ist. Auch die Durchfahrt durch den Aliaanatsoq-Fjord nach Westen in die nördliche Diskobucht war für uns eine Premiere.
Weil wir mit Vorliebe Punkte ansteuern, die kaum ein anderes Schiff besucht, sind wir auch praktisch immer ganz für uns allein, von gelegentlichen Fischerbooten abgesehen. Der Verband der Arktis-Expeditionskreuzfahrtveranstalter (AECO) bietet zwar ein Reservierungssystem an, mit dem seine Mitglieder durch entsprechende Reservierungen gleichzeitige Anläufe bestimmter Punkte vermeiden können, aber das ist in Grönland eher für jene Schiffe relevant, die vorzugsweise die Standardpunkte ansteuern. Ich habe in diesem System in der ganzen diesjährigen Grönland-Saison noch keine einzige Buchung gemacht, da wir an den Standardzielen, die von den meisten sonstigen Schiffen angesteuert werden, wenig Interesse haben. Unsere Gäste wissen genau diesen Fokus auf das eher Ausgefallene sehr zu schätzen — vor allem, wenn sie feststellen, wie viele spannende ausgefallene Ziele Grönland hat, die sich in keinem Prospekt und keinem Reiseführer finden. Und ein bisschen Entdeckerfreude sollte ja eigentlich auf Reisen, die sich Expeditionsfahrten nennen, auch dabei sein, statt reinem Abhaken von Punkten, die oft nur deshalb berühmt sind, weil sie so oft angelaufen werden. Aktuell (Mitte Juli) habe ich allein in dieser Grönland-Saison bereits 10 Ziele im AECO-Buchungssystem neu registrieren lassen, die darin noch gar nicht enthalten waren und folglich in den letzten Jahren von keinem Schiff der in der Organisation vertretenen Veranstalter angesteuert wurden.
Nebenbei hatten wir auf der Fahrt etliche schöne Walsichtungen (Buckelwale — einer sogar schlafend neben dem Schiff, ein weiterer mehrfach springend) und Vogelfelsen, obwohl Grönland für Tierbeobachtungen nicht die beste Arktisregion ist, phantastische Eisberge (einschließlich kirchenfensterartig durchscheinender dünner Eiswände), Gletscherkalbungen, lange Fahrten durch teils dichtes Treibeis, tolle Vegetation, spektakuläre Felsformationen und vielseitige Einblicke in die Kultur und Geschichte sowie das heutige Leben der Inuit und ihrer Suche nach einer eigenen Zukunft für sich und Grönland.
Die Mühen der Anreise traten dagegen jedenfalls rasch in den Hintergrund, und die Bilder hier können nur einen fahlen Abglanz der intensiven Erlebnisse bieten.
Die Diskobucht – die häufigsten Fragen
Die Angaben stammen aus dem Reisebericht von Andreas Umbreit, Expeditionsleiter an Bord der CAPE RACE.
Wie zuverlässig sind Flüge nach Grönland?
Sie sind notorisch anfällig für Unerwartetes – sei es wegen des Wetters oder wegen fehlenden qualifizierten Personals an den Flughäfen. Auf der geschilderten Reise gab es mehrfach geänderte Flüge, eine Zwischenübernachtung in Keflavik statt in Ilulissat und für einen Teil der Gruppe sogar einen nächtlichen Rundflug über Grönland, weil die Landung nicht möglich war. Das betrifft nicht nur Reisen mit der CAPE RACE, sondern alle Veranstalter.
Wie bereite ich mich auf mögliche Flugprobleme vor?
Medikamente gehören ins Handgepäck. Wanderkleidung einschließlich Stiefel sollte man am besten gleich als Reisekleidung tragen – dann fehlt sie nicht, wenn der Koffer später kommt. Auf der geschilderten Reise fehlte das Gepäck zweier Gäste; an Bord wurde mit dem Nötigsten ausgeholfen, die Koffer kamen am nächsten Vormittag nach.
Wo liegen die größten Eisberge der Diskobucht?
Nicht unbedingt dort, wo die meisten Schiffe fahren. Die Front des Eqip-Sermia-Gletschers ist vor allem deshalb bekannt, weil sie von Ilulissat mit schnellen Tagestourenbooten leicht erreichbar ist. Aus dem Aliaanatsoq-Fjord ganz im Nordosten der Bucht stammen vermutlich weit mehr und größere Eisberge.
Was bedeutet Eisklasse in der Praxis?
Nicht immer das, was die Werbung verspricht. Einige große Expeditionsschiffe geben mit ihrer Eisklasse an, meiden das Eis in der Realität aber zur Schonung ihres Lacks. Die CAPE RACE verträgt einiges an Eis und fährt auch hinein – 2026 erlaubte weniger Treibeis zudem Routen, an die in den Vorjahren nicht zu denken war.
Was ist das AECO-Reservierungssystem?
Ein System des Verbands der Arktis-Expeditionskreuzfahrtveranstalter, mit dem Mitglieder gleichzeitige Anläufe bestimmter Punkte vermeiden. In Grönland ist es vor allem für Schiffe relevant, die Standardpunkte ansteuern. Auf der CAPE RACE wurde in der gesamten Saison keine einzige Buchung gemacht – dafür wurden bis Mitte Juli zehn Ziele neu registriert, die im System noch gar nicht enthalten waren.
Ist Grönland gut für Tierbeobachtungen?
Es ist nicht die beste Arktisregion dafür. Trotzdem gab es auf der Reise etliche Buckelwal-Sichtungen – einer schlief neben dem Schiff, ein anderer sprang mehrfach – dazu Vogelfelsen, Dreizehenmöwen und einen jungen Eisfuchs an Land.
Wann ist die beste Zeit für die Diskobucht?
Die geschilderte Reise fand vom 26. Juni bis 3. Juli statt, mit wenig Wind, ruhiger See und fast durchgehend Sonne. Ende Juni und Anfang Juli stehen zudem die Eisberge und das Wollgras bei Qeqertaq zusammen.
Wo Sie die Diskobucht mit uns erleben können
Wie viel man von der Bucht sieht, hängt weniger vom Prospekt ab als davon, wie weit ein Schiff ins Eis darf.
- Grönland – alle Reisen – Der Überblick über West-, Ost- und Südgrönland sowie den Nordwesten.
- Westgrönland & Diskobucht – Der Eisfjord von Ilulissat, Qeqertaq und die großen Eisberge.
- Südgrönland – Wikingerruinen, Bergwelt und geschützte Fjorde.
- Ostgrönland – Scoresbysund, Kulusuk und die einsame Ostküste.
Welche Route zu Ihnen passt, hängt von Reisezeit, Schiffsgröße und Ihrem Schwerpunkt ab. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie persönlich.