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Expeditions-Guide

Südgeorgien: die fünf Schritte.

Auf keiner anderen Insel des Südatlantiks wird so gründlich kontrolliert wie hier — und dafür gibt es einen Grund, der hundert Jahre zurückreicht. Wer nach Südgeorgien fährt, verbringt an Bord mehr Zeit mit Bürste und Pinzette als anderswo. Dieser Artikel erklärt, warum das so ist und wie es abläuft.

Was auf dieser Insel schon einmal schiefging

Südgeorgien gilt heute als eines der größten Renaturierungsprojekte der Welt. Dass es nötig wurde, liegt an zwei Arten, die Menschen mitbrachten.

Ratten kamen mit den Schiffen der Walfänger. Sie fraßen die Gelege des Südgeorgien-Piepers, eines endemischen Singvogels, der nirgendwo sonst auf der Welt vorkommt — und brachten ihn an den Rand des Verschwindens.

Rentiere setzten Walfänger 1911 in Ocean Harbour als Fleischvorrat aus. Sie blieben, vermehrten sich und veränderten die Vegetation der Insel über ein Jahrhundert lang. Erst zwischen 2013 und 2015 wurden sie systematisch entfernt; die letzten beiden Tiere fielen 2017.

Beide Programme haben Jahre gedauert und Millionen gekostet. Der Pieper ist heute zurück. Genau deshalb ist die Insel so streng: Ein einziges Samenkorn im Klettverschluss einer Hose kann diese Arbeit gefährden.

Wonach gesucht wird
Samen und Sporen · Erde und Kot · Wirbellose und Wirbeltiere · Krankheitserreger und Mikroorganismen. Vieles davon ist mit bloßem Auge nicht zu sehen.

Die fünf Schritte

Die Biosecurity-Checkliste von Südgeorgien besteht aus fünf Schritten. Sie stehen in dieser Reihenfolge, und die Reihenfolge ist keine Empfehlung.

1. Check — prüfen

Stiefel, Outdoor-Kleidung und Ausrüstung vor und nach jeder Anlandung kontrollieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Sohlenprofil, Klettverschlüssen, Netzgewebe sowie Taschen und Hosentaschen.

2. Clean — reinigen

Samen, Erde, Insekten und Schmutz entfernen. Das ist Handarbeit und dauert länger, als die meisten erwarten.

3. Dip — desinfizieren

Die Stiefel kommen vor und nach jeder Anlandung in die Desinfektionswanne. Wichtig zu wissen: Die Wanne tötet keine Samen und keine Insekten. Sie entfernt Mikroorganismen und Krankheitserreger, die der Tierwelt schaden können. Alles Sichtbare muss vorher mechanisch weg.

4. Dry — trocknen lassen

Das Desinfektionsmittel wirkt deutlich besser, wenn es antrocknet. Es wird also nicht abgespült. Genau darum finden die Kontrollen vor und nach jeder Anlandung statt — die Wirkzeit liegt dazwischen.

5. Check again — noch einmal prüfen

Vor dem Verlassen des Schiffes eine letzte Kontrolle, am besten im Buddy-System: Man prüft sich gegenseitig. Was man an der eigenen Ausrüstung übersieht, findet ein anderer sofort.

Das richtige Werkzeug

An Bord liegen dafür Hilfsmittel bereit. Wer weiß, wofür sie gedacht sind, ist deutlich schneller fertig:

Klettverschluss
Die winzigen Haken fangen Samen und Schmutz. Eine steife Bürste ist hier das Mittel der Wahl.
Stiefelsohlen
Im Profil setzt sich Erde fest. Schraubendreher oder aufgebogene Büroklammer für hartnäckigen Schmutz, danach die Bürste.
Netzgewebe
Im Mesh von Rucksäcken bleibt organisches Material hängen. Pinzette oder Büroklammer holen es heraus.
Taschen
Für Hosentaschen, Rucksackinnenräume und schwer erreichbare Stellen ist ein Staubsauger am schnellsten.

Was alles kontrolliert wird

  • Stiefel
  • Wanderhosen
  • Jacken
  • Rucksäcke
  • Wanderstöcke
  • Stative
  • Kamerataschen
  • sonstige Ausrüstung, die an Land geht

Kurz gesagt: alles, was das Schiff verlässt. Ein Stativbein, das im Tussockgras stand, trägt genauso Samen wie eine Stiefelsohle.

Wer kontrolliert

Zuständig ist zunächst das Expeditionsteam an Bord. Zusätzlich kommen Regierungsinspektoren an Bord und prüfen stichprobenartig, bevor Landgänge freigegeben werden.

Die eigentliche Verantwortung liegt aber bei jedem Einzelnen — deshalb der fünfte Schritt mit der gegenseitigen Kontrolle. Auf einer Reise im Februar 2026 kam die Inspektion wetterbedingt nicht an Bord; im Logbuch steht, man hätte die Prüfung „mühelos bestanden". Abends gab es dafür ein Glas Prosecco.

Praktischer Rat
Verzichten Sie schon beim Packen auf Kleidung und Ausrüstung mit Klettverschlüssen. Das erspart Ihnen an Bord bei jedem einzelnen Landgang mehrere Minuten Fummelei — und Südgeorgien hat bis zu zwei Anlandungen am Tag.

Häufige Fragen zur Biosecurity auf Südgeorgien

Warum ist Südgeorgien so streng?

Weil die Insel bereits zweimal durch eingeschleppte Arten geschädigt wurde: Ratten dezimierten den endemischen Pieper, Rentiere veränderten ein Jahrhundert lang die Vegetation. Beide wurden aufwendig entfernt.

Was sind die fünf Schritte?

Check, Clean, Dip, Dry, Check Again — prüfen, reinigen, desinfizieren, trocknen lassen und vor dem Landgang noch einmal kontrollieren, am besten gegenseitig.

Warum darf das Desinfektionsmittel nicht abgespült werden?

Weil es antrocknend deutlich besser wirkt. Und: Die Wanne tötet keine Samen und Insekten — sie entfernt Mikroorganismen. Sichtbares muss vorher mechanisch weg.

Welche Stellen sind kritisch?

Sohlenprofil, Klettverschlüsse, Netzgewebe an Rucksäcken sowie Taschen und Hosentaschen.

Welches Werkzeug hilft?

Pinzette oder Büroklammer für Samen im Profil und im Mesh, steife Bürste für Klett und Sohlen, Schraubendreher für Festsitzendes, Staubsauger für Taschen.

Was wird kontrolliert?

Stiefel, Wanderhosen, Jacken, Rucksäcke, Wanderstöcke, Stative, Kamerataschen — alles, was an Land geht.

Wann finden die Kontrollen statt?

Vor und nach jeder Anlandung — auch, um nichts zwischen den Standorten der Insel zu verschleppen.

Wer kontrolliert die Einhaltung?

Das Expeditionsteam, ergänzt durch stichprobenartige Prüfungen von Regierungsinspektoren an Bord.

Südgeorgien liegt auf der langen Route über den Südatlantik — wir sagen Ihnen, welche Termine noch Plätze haben.
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