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Expeditions-Guide

Ein Landgang ist ein Privileg.

Jeder Gast erhält vor der Abreise ein Merkblatt der IAATO — der Internationalen Vereinigung der Anbieter von Antarktisreisen. Die meisten überfliegen es. Es lohnt sich, genauer hinzusehen: Darin steht, warum Ihre Reise anders verlaufen wird als geplant, und warum das gut so ist.

Was die IAATO ist — und warum das zählt

Die IAATO ist der Zusammenschluss jener Veranstalter, die Reisen in die Antarktis anbieten. Ihre Mitglieder verpflichten sich auf einen Grundsatz, der knapp klingt und weitreichend ist: Geplante touristische Aktivitäten dürfen nur geringfügige oder vorübergehende Auswirkungen auf die antarktische Umwelt haben.

Alle Reedereien, mit denen wir arbeiten, sind Mitglied. Das ist kein Gütesiegel zum Aufkleben, sondern der Grund für vieles, was Ihnen an Bord begegnen wird — von der Zahl der Menschen, die gleichzeitig an Land dürfen, bis zu der Bürste, mit der Sie Ihre Stiefel schrubben.

Der Kernsatz des Merkblatts
In der Antarktis an Land zu gehen ist ein Privileg, kein Recht. Das Expeditionsteam plant die Aktivitäten an Land immer im besten Interesse der Tierwelt.

Warum Ihre Reise anders verlaufen wird als geplant

Der erste Abschnitt des Merkblatts trägt eine Überschrift, die ungewöhnlich ehrlich ist: Man wolle die Begeisterung der Gäste „in realistische Bahnen lenken".

Dahinter steht eine schlichte Beobachtung. Wetterbedingungen, der Zustand des Meereises und die Möglichkeiten zur Tierbeobachtung sind bei jeder Antarktisreise unterschiedlich. Es kann durchaus sein, dass Sie einige Anlandeplätze oder Forschungsstationen, von denen Sie gehört haben, nicht besuchen können.

Die IAATO dreht das um: Genau diese Abhängigkeit von Wetter und See sei ein faszinierender und unvergesslicher Teil der Reise. Bei einer Expeditionskreuzfahrt gehe es um Spontaneität, Entdeckung und die Wertschätzung der Notwendigkeit, flexibel zu sein — die Möglichkeit, vom Vertrauten und Erwarteten abzuweichen und sich stattdessen Zeit zu nehmen, etwa um in Ruhe eine Walherde oder einen massigen Eisberg zu beobachten.

Der Schlusssatz dieses Abschnitts ist der beste Rat, den man Antarktis-Reisenden geben kann:

Seien Sie flexibel und offen für Änderungen des geplanten Reiseverlaufs. Wenn Sie mit dieser Einstellung an der Expedition teilnehmen, werden Sie keine Enttäuschungen erleben. IAATO-Merkblatt 2025/26

Biosecurity: das größte Risiko sind Sie

Der Antarktisvertrag verbietet die Einschleppung nicht-heimischer Arten. Diese Arten sind keine abstrakte Gefahr — ihre direkten und indirekten Auswirkungen auf das antarktische Ökosystem sind in vielen Regionen dokumentiert.

Was gemeint ist, listet das Merkblatt konkret auf:

Pflanzliches
Samen, Blumen, Wurzeln, Blätter, getrocknete Pflanzen
Tierisches
Nagetiere, Insekten, Federn
Erdreich
Schlamm, Schmutz, Steine
Mikroskopisch
Bakterien, Hefe — mit bloßem Auge nicht erkennbar

Was gereinigt werden muss

Die Prüfung beginnt vor der Abreise, zu Hause. Besonders wichtig ist das, wenn Sie vor der Reise in der Natur unterwegs waren — gewandert sind, an Touren teilgenommen oder einen Bauernhof besucht haben.

Zu reinigen ist alles, worin sich etwas verbergen kann:

  • Stiefel und Schuhe
  • Hosen und Hosenbeine
  • Taschen aller Art
  • Fleece und Oberbekleidung
  • Rucksäcke und Kamerataschen
  • Outdoor-Ausrüstung, Wanderstöcke, Stative

Zu einem Punkt wird das Merkblatt ausdrücklich: Vom Mitbringen von Kleidung und Ausrüstung mit Klettverschlüssen wird abgeraten. Kletthaken sind praktisch perfekte Samenfallen — was sich dort festsetzt, bleibt.

Die Schuhwaschanlage — und ein Detail, das viele falsch machen

An Bord befindet sich am Ende der Landungsbrücke oder nahe dem Einstieg eine Schuhwaschanlage. Dort werden Schuhe, Kleidung, Wanderstöcke und Spikes vor jedem Landgang und bei der Rückkehr gereinigt und desinfiziert.

Häufiger Fehler
Das Desinfektionsmittel wird nicht abgespült. Es muss auf Schuhen und Ausrüstung gründlich trocknen — erst dann wirkt es.

Und die Reinigung endet nicht beim ersten Landgang. Ebenso wichtig ist, Arten nicht zwischen Orten innerhalb der Antarktis und Subantarktis zu verschleppen. Deshalb wird zwischen Einsätzen an verschiedenen Orten erneut gereinigt.

Ein praktischer Hinweis aus dem Merkblatt, den man leicht übersieht: Legen Sie Ausrüstung möglichst nicht auf den Boden. Alles, was mit dem Boden in Berührung kommt — auch der Rucksack —, muss überprüft und desinfiziert werden.

Wenn Sie etwas finden

Alle nicht-heimischen Arten gelten als „Schädlinge" für die antarktische Umwelt. Wenn Sie glauben, eine gefunden zu haben, sagen Sie Ihren Reiseleitern Bescheid. Diese melden den Fund an die zuständige Stelle des United States Antarctic Program.

Es geht dabei nicht um Formalitäten. Die dokumentierten Fälle eingeschleppter Arten in der Antarktis begannen fast alle damit, dass niemand hinsah.

Plastik: was Sie schon zu Hause entscheiden

Der zweite große Abschnitt des Merkblatts betrifft Kunststoff — und der wichtigste Teil davon spielt vor der Abreise.

Empfohlen werden Kosmetika ohne Mikroperlen, Produkte ohne Kunststoffverpackung wie feste Seifen und Shampoo-Stücke sowie wiederverwendbare Behälter. Auch synthetische Kleidung wird angesprochen: Sie verliert bei jedem Waschgang kleine Kunststofffasern. Die IAATO ist dabei realistisch — ganz verzichten lasse sich darauf kaum, aber die Menge zu reduzieren sei ein erstes Ziel.

An Bord gilt: keine Strohhalme, keine Einwegbecher, -flaschen und -behälter. Nichts Nicht-Abbaubares in die Toilette, insbesondere keine Feuchttücher. Und, für alle, die viel an Deck stehen: Achten Sie darauf, dass Ihre Sachen gesichert sind — besonders Taschentücher und Kamerataschen.

Ein verbreiteter Irrtum
Produkte mit dem Hinweis „abbaubar" oder „biologisch abbaubar" zerfallen schneller als übliche Kunststoffe, können aber weiterhin fossile Brennstoffe enthalten — und dabei Mikroplastik freisetzen. Wirksam sind wiederverwendbare Artikel, nicht die Alternativen.

Was die Branche selbst tut

IAATO und AECO — der entsprechende Verband für die Arktis — haben sich der Kampagne Clean Seas der Vereinten Nationen angeschlossen. Gemeinsam mit ihren Mitgliedern arbeiten sie daran, Einweg-Kunststoffe zu reduzieren. Die Veranstalter beziehen Gäste in weltweite Strandreinigungen ein und entfernen dabei jedes Jahr tonnenweise Abfälle aus dem Meer.

Das ist nicht bloß Symbolik. Wer einmal an einem subantarktischen Strand gesammelt hat, weiß, wie viel Fischereigerät dort ankommt — an Orten, an denen nie ein Mensch gewohnt hat.

Antarktis-Botschafter

Am Ende des Merkblatts steht eine Frage: Sind Sie ein Antarktis-Botschafter?

Gemeint ist damit weniger ein Titel als eine Haltung. Eine Antarktisreise, so das Merkblatt, vertieft das Verständnis für die Bedeutung des Kontinents und seiner Erhaltung — für heutige wie für künftige Generationen. Und dann folgt ein Satz, den man sich merken kann:

Diese Erkenntnisse, die Sie mit nach Hause nehmen, sind genauso wichtig wie Fotos. IAATO-Merkblatt 2025/26

Wer die Antarktis besucht, ist mitverantwortlich dafür, dass sie unberührt bleibt. Das ist keine große Geste — es sind die Bürste an der Schuhwaschanlage, die wiederverwendbare Flasche und die Bereitschaft, einen ausgefallenen Landgang nicht als Verlust zu sehen.

Häufige Fragen zu den IAATO-Richtlinien

Was ist die IAATO?

Die International Association of Antarctica Tour Operators. Ihre Mitglieder verpflichten sich, dass touristische Aktivitäten nur geringfügige oder vorübergehende Auswirkungen auf die antarktische Umwelt haben. Alle unsere Partner-Reedereien sind Mitglied.

Ist ein Landgang in der Antarktis garantiert?

Nein. Das Merkblatt formuliert es unmissverständlich: An Land zu gehen ist ein Privileg, kein Recht. Das Expeditionsteam entscheidet immer im besten Interesse der Tierwelt.

Warum kann der Reiseverlauf nicht garantiert werden?

Weil Wetter, Meereis und Tierbeobachtungen bei jeder Reise unterschiedlich sind. Bekannte Anlandeplätze oder Forschungsstationen können ausfallen. Die IAATO rät ausdrücklich zu Flexibilität — wer so an die Reise herangeht, erlebt keine Enttäuschungen.

Was ist die Schuhwaschanlage an Bord?

Eine Anlage am Ende der Landungsbrücke oder nahe dem Einstieg, an der Schuhe, Kleidung, Wanderstöcke und Spikes vor und nach jedem Landgang desinfiziert und abgebürstet werden. Das Desinfektionsmittel wird nicht abgespült, sondern muss gründlich trocknen.

Welche nicht-heimischen Arten sind das Problem?

Samen, Blumen, Wurzeln, Blätter und getrocknete Pflanzen; Nagetiere, Insekten und Federn; Schlamm, Schmutz und Steine; sowie mikroskopische Organismen wie Bakterien und Hefe. Vieles davon ist mit bloßem Auge nicht erkennbar.

Welche Ausrüstung muss gereinigt werden?

Stiefel, Hosenbeine, Taschen, Fleece und Oberbekleidung, Rucksäcke, Kamerataschen, Outdoor-Ausrüstung, Wanderstöcke und Stative. Von Klettverschlüssen wird abgeraten, weil sich dort Samen festsetzen.

Muss man auch zwischen zwei Landgängen reinigen?

Ja. Es geht auch darum, Arten nicht zwischen Orten innerhalb der Antarktis und Subantarktis zu verschleppen. Deshalb wird zwischen Einsätzen an verschiedenen Orten erneut gereinigt.

Was tun bei Verdacht auf eine eingeschleppte Art?

Den Reiseleitern Bescheid geben. Sie melden den Fund an die zuständige Stelle des United States Antarctic Program.

Sind biologisch abbaubare Kunststoffe eine Lösung?

Nein. Sie zerfallen schneller, können aber weiterhin fossile Brennstoffe enthalten und Mikroplastik freisetzen. Wirksam sind wiederverwendbare Artikel.

Was ist ein Antarktis-Botschafter?

Ein Begriff der IAATO für Reisende, die ihre Erfahrungen weitergeben und sich für den Schutz des Kontinents einsetzen. Das Verständnis, das man mitnimmt, sei genauso wichtig wie die Fotos.

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