Zwölf Tage entlang der Ostküste Grönlands – von Reykjavík bis zum Rand der bewohnten Welt und zurück. Die Route deckt ab, was Ostgrönland ausmacht: die Inuit-Siedlungen am Ammassalikfjord, die abgelegenste Gemeinde der Arktis und drei Tage im größten Nationalpark der Erde.
Nach der Dänemarkstraße – unter deren Oberfläche übrigens der größte Wasserfall der Erde liegt, wo kaltes Nordmeerwasser über eine Schwelle absinkt – beginnt Grönland bei Kuummiut. Das Dorf hat keine Straßenanbindung und beherbergt die einzige Fischfabrik Ostgrönlands. Nachmittags folgt Ikateq mit Bluie East Two, dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt aus dem Zweiten Weltkrieg: Bei der Aufgabe 1947 ließ man alles stehen, bis heute liegen dort Ölfässer und Fahrzeugwracks in der Tundra.
Tasiilaq auf Ammassalik Island ist die größte Siedlung der Region. Bis zur Gründung des Handelspostens 1894 lebten die Menschen hier ohne europäischen Kontakt. Aus Tasiilaq stammt der Tupilak – ursprünglich eine aus Knochen und Fell gefertigte Rachefigur, heute in Speckstein und Narwalzahn geschnitzte Kunst.
Weiter nördlich liegt Ittoqqortoormiit, 1925 von Ejnar Mikkelsen gegründet, der Siedler aus Tasiilaq hierherbrachte. Versorgungsschiffe kommen bis heute nur ein- bis zweimal im Jahr. Direkt dahinter beginnt der Nordost-Grönland-Nationalpark: knapp eine Million Quadratkilometer, größer als Frankreich und Deutschland zusammen und das größte Schutzgebiet der Erde. Drei Tage bleiben dafür – für die bis zu 1.300 Meter hohen Wände am Bastionen auf Ella Island, den kalbenden Waltershausen-Gletscher und Jameson Land, wo eine der dichtesten Moschusochsen-Populationen Grönlands weidet.
Auf dem Rückweg die Blosseville-Küste, vor rund 50 Millionen Jahren vulkanisch entstanden und von demselben Mikkelsen erstmals vermessen. Bewohnt ist sie heute nicht mehr.
Wohin es an den Expeditionstagen geht, entscheidet das Eis, nicht der Fahrplan.